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Keine Sorge: was Sie hier an Bildern sehen, ist kein Ausschnitt aus meiner  Frühjahrskollektion 2021, sondern stammt aus einem « Versandhauskatalog » der 1970er Jahre. Ja, man nannte damals in der DDR Damenoberbekleidung ebenso « Mode » wie im Westen. Mode sollte eigentlich Ausdruck der individuellen Persönlichkeit sein, was in diesem Fall eher weniger gelungen war, denn « uniformer » ging es in den 1970ern wohl nicht – weder in Ost noch in West. Doch noch etwas hat Ost und West damals verbunden: ausgeprägt weibliche Rundungen blieben links liegen. Dicke Kataloge mit schlanken Frauen waren angesagt. Die Vielzahl der eher molligen Frau hatte Pech gehabt – frei nach der Devise „schaut, wo ihr bleibt“.  

Egal, der Osten sah damals mit großer Sehnsucht in Richtung Westen. Die DDR-Modemacher orientierten sich an den Laufstegen von Paris und Madrid, allerdings stets mit zeitlicher Verzögerung und ziemlich angepasst auf die eigenen Produktionsmöglichkeiten. Im Klartext: Mal war nicht an die notwendigen Stoffe zu kommen, mal waren aufgesetzte Pattentaschen zu teuer oder für elegante Doppelnähte fehlten schlicht die notwendigen Maschinen.

Und, meine Damen, erinnern Sie sich noch an die Materialien? « Lederol », der Lederersatz. Oder die synthetische Faser « Wolpryla »?  Oder « Präsent 20,  der Stoff aus dem die Albträume sind », wie viele Frauen spöttisch sagten, die in den 1970ern Kostüme aus dieser misslungenen textilen DDR-Eigenentwicklung  getragen haben. Der Grund: das Attribut « geschmeidig » haben diese Stoffe nie gehört – sie standen immer etwas steif ab. Auch neigten sie, gerade bei langen Röcken, ziemlich stark zu elektrischer Aufladung, was zur Folge hatte, dass sich der Rockstoff – jetzt aber wenigstens geschmeidig – ziemlich eng an das Damenbein haftete.